Blog

Reisepass statt Personalausweis: Wann sich das lohnt

Wer regelmäßig reist, stellt sich früher oder später eine Frage: Reicht der Personalausweis eigentlich noch, oder lohnt sich die Anschaffung eines Reisepasses? Beide Dokumente weisen die Identität zuverlässig nach, doch ihr Einsatzgebiet unterscheidet sich erheblich. Während der Ausweis innerhalb Europas meist ausreicht, öffnet der Pass Türen in praktisch jedes Land der Welt. Die Entscheidung hängt also weniger vom Geschmack ab als vielmehr vom eigenen Reiseverhalten.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • Kosten: Reisepass ab 24 Jahren 70 Euro, Personalausweis seit 7. Februar 2026 46 Euro
  • Gültigkeit: Beide Dokumente gelten für Erwachsene 10 Jahre, unter 24 Jahren 6 Jahre
  • Geltungsbereich: Personalausweis reicht in der EU, im EWR und in der Schweiz, für alle anderen Länder braucht es meist den Reisepass
  • Bearbeitungszeit: regulär 4 bis 6 Wochen, im Express-Verfahren gegen 32 Euro Aufpreis in 3 bis 4 Werktagen

Warum viele Reisende inzwischen den Reisepass dem Personalausweis vorziehen

Der Personalausweis war lange das Standarddokument der Deutschen, weil er handlicher und günstiger ist. Doch sobald eine Reise über die Grenzen der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraums oder der Schweiz hinausgeht, reicht er in den allermeisten Fällen nicht mehr aus. Ziele wie die USA, Großbritannien, Kanada oder die Türkei verlangen ein international anerkanntes Reisedokument, und genau das ist der Reisepass. Er ermöglicht deutschen Staatsangehörigen aktuell visumfreies Reisen in 185 Länder – eine der höchsten Zahlen weltweit. Wer also auch nur gelegentlich Fernreisen plant, kommt an der Anschaffung kaum vorbei.

Der entscheidende Unterschied liegt im Einsatzgebiet, nicht im Preis

Auf den ersten Blick wirkt der Personalausweis günstiger: Seit der Gebührenanpassung am 7. Februar 2026 kostet er für Erwachsene 46 Euro, der Reisepass dagegen 70 Euro. Für Personen unter 24 Jahren liegen die Beträge bei 27,60 Euro beziehungsweise 37,50 Euro. Der Preisunterschied täuscht aber über das eigentliche Problem hinweg: Ein günstiges Dokument, das am Flughafen abgewiesen wird, spart am Ende kein Geld. Entscheidend ist deshalb nicht die Gebühr, sondern das Reiseziel. Wer beispielsweise in die USA möchte, benötigt für das ESTA-Verfahren zwingend einen elektronischen Reisepass mit Chip – ein Personalausweis genügt hier unter keinen Umständen.

Reisepass und Personalausweis im direkten Vergleich

Ein Blick auf die konkreten Zahlen zeigt, wie nah beide Dokumente beieinanderliegen und wo die eigentlichen Unterschiede stecken.

Kriterium Personalausweis Reisepass
Grundgebühr ab 24 Jahren 46,00 Euro 70,00 Euro
Grundgebühr unter 24 Jahren 27,60 Euro 37,50 Euro
Gültigkeitsdauer 10 Jahre / 6 Jahre 10 Jahre / 6 Jahre
Vorläufige Variante 10 Euro, max. 3 Monate gültig 26 Euro, max. 12 Monate gültig, ohne Chip
Einsatzbereich EU, EWR, Schweiz weltweit, in 185 Ländern visumfrei
Herstellung Bundesdruckerei Berlin Bundesdruckerei Berlin

Die Tabelle macht deutlich, dass beide Dokumente in Sachen Gültigkeitsdauer identisch behandelt werden. Der eigentliche Mehrwert des Passes liegt also nicht in der Laufzeit, sondern in der internationalen Anerkennung als Reisedokument.

Typische Situationen, in denen der Reisepass unverzichtbar wird

Nicht jeder braucht beide Dokumente gleichzeitig. Wer jedoch bestimmte Reisemuster hat, kommt um den Reisepass kaum herum. Die folgende Aufstellung fasst die häufigsten Konstellationen zusammen und erklärt jeweils, worauf es ankommt:

  • Fernreisen außerhalb Europas: Länder wie die USA, Kanada, Thailand oder Australien verlangen grundsätzlich einen Reisepass. Der Personalausweis wird an der Grenze schlicht nicht als gültiges Einreisedokument akzeptiert, unabhängig davon, wie neu er ist.
  • Reisen nach Großbritannien: Seit dem Brexit gilt für die Einreise auf die Insel eine verschärfte Regelung. Ein Personalausweis reicht für britische Staatsbürger und bestimmte Ausnahmefälle, deutsche Reisende benötigen jedoch grundsätzlich einen Reisepass mit ausreichender Restgültigkeit.
  • Geschäftsreisen mit häufigen Visa-Einträgen: Wer beruflich viel unterwegs ist und regelmäßig Visa in den Pass kleben lässt, sollte über die 48-seitige Variante nachdenken. Ist der Pass voll, verliert er seine Gültigkeit, selbst wenn das Ablaufdatum noch weit entfernt liegt.
  • Doppelte Staatsangehörigkeit: Bei Doppelstaatern gilt eine Besonderheit: Die Einreise nach und die Ausreise aus Deutschland ist ausschließlich mit deutschem Reisepass oder einem gleichwertigen Passersatzdokument möglich, während für den zweiten Staat dessen eigene Papiere gelten.
  • Restgültigkeit bei der Einreise: Zahlreiche Reiseländer verlangen, dass der Pass bei der Einreise noch mindestens sechs Monate über das geplante Reiseende hinaus gültig ist. Wer diesen Puffer nicht einplant, riskiert die Einreiseverweigerung, selbst wenn der Pass formal noch nicht abgelaufen ist.
  • Kinder mit wechselndem Erscheinungsbild: Bei Säuglingen und Kleinkindern verändert sich das Gesicht innerhalb der aufgedruckten Gültigkeitsdauer oft so stark, dass eine Identifizierung schon vor dem offiziellen Ablaufdatum scheitert. Für diese Altersgruppe lohnt sich eine frühzeitige Erneuerung des Dokuments, unabhängig vom Restdatum.

Ablauf, Kosten und Fristen bei der Beantragung

Wer sich für den Pass entscheidet, sollte die Bearbeitungszeit realistisch einplanen. Im regulären Verfahren dauert die Ausstellung derzeit vier bis sechs Wochen, weil die Produktion zentral in der Bundesdruckerei Berlin erfolgt. Kurz vor den Sommerferien kann sich dieser Zeitraum auf bis zu acht Wochen verlängern, da der Andrang in den Bürgerämtern von München über Hamburg bis Berlin traditionell hoch ist. Wer schneller ein Dokument benötigt, kann seit einigen Jahren das Express-Verfahren nutzen: Gegen einen Zuschlag von 32 Euro liegt der Pass in der Regel bereits am dritten Werktag nach Antragstellung bereit, sofern der Antrag bis 12 Uhr beim Passhersteller eingeht.

Seit Mai 2025 gilt außerdem eine wichtige Neuerung: Biometrische Passfotos dürfen nur noch digital direkt im Bürgeramt oder in zertifizierten Fotostudios erstellt werden, mitgebrachte Papierfotos werden nicht mehr akzeptiert. Für die Aufnahme in der Behörde fällt eine zusätzliche Gebühr von rund sechs Euro an. Praktisch ist zudem der Direktversand, der seit Mai 2025 angeboten wird: Gegen 15 Euro Aufpreis wird das fertige Dokument nach Hause geliefert, sodass ein zweiter Behördengang zur Abholung entfällt. Diese Option steht allerdings nur Personen zur Verfügung, die in Deutschland gemeldet sind.

Für den Notfall gibt es den vorläufigen Reisepass für 26 Euro. Er enthält keinen Chip und ist maximal zwölf Monate gültig, wird deshalb aber auch nicht von allen Ländern anerkannt – die USA, Russland, China und Indien akzeptieren dieses Dokument beispielsweise nicht als vollwertiges Reisedokument. Er taugt also allenfalls als Übergangslösung für spontane Reisen innerhalb Europas oder in wenige weitere Länder, nicht als dauerhafter Ersatz für den biometrischen Reisepass.

passport
Mahony/shutterstock.com

Häufige Fragen zum Thema (FAQ)

Reicht der Personalausweis für die Türkei oder brauche ich einen Reisepass?

Für die Einreise in die Türkei genügt für deutsche Staatsangehörige grundsätzlich der Personalausweis, sofern dieser noch mindestens sechs Monate gültig ist. Wer jedoch mit einem vorläufigen Ausweisdokument reist oder Wert auf zusätzliche Flexibilität legt, sollte trotzdem den Reisepass mitführen, da einzelne Fluggesellschaften und Behörden im Zweifel zusätzliche Nachweise verlangen können.

Kann ich mit dem vorläufigen Reisepass in die USA einreisen?

Nein, der vorläufige Reisepass wird von den USA nicht als gültiges Reisedokument akzeptiert, da er keinen Chip enthält und damit nicht für das elektronische ESTA-Verfahren geeignet ist. Für eine Reise in die USA ist zwingend ein biometrischer Reisepass mit Chip erforderlich.

Wie lange muss mein Reisepass nach der Reise noch gültig sein?

Viele Länder verlangen bei der Einreise eine Restgültigkeit von mindestens sechs Monaten über das geplante Ausreisedatum hinaus. Diese Regel gilt unabhängig davon, wie lange der eigentliche Aufenthalt geplant ist, weshalb sich ein Blick auf das Ablaufdatum bereits bei der Reiseplanung lohnt.

Was ist günstiger: Reisepass oder Personalausweis?

Der Personalausweis ist mit 46 Euro für Erwachsene günstiger als der Reisepass mit 70 Euro. Der Preisunterschied sollte jedoch nicht das ausschlaggebende Kriterium sein, da der Personalausweis außerhalb der EU, des EWR und der Schweiz in den meisten Ländern gar nicht als Einreisedokument zugelassen ist.

Fazit

Ob Reisepass oder Personalausweis die richtige Wahl ist, entscheidet letztlich das eigene Reiseverhalten und nicht der Preisunterschied von rund 24 Euro. Wer regelmäßig außerhalb Europas unterwegs ist oder spontan Fernreisen plant, kommt an einem gültigen Reisepass mit ausreichender Restlaufzeit nicht vorbei. Für reine Kurztrips innerhalb der EU bleibt der Personalausweis dagegen weiterhin die praktischere und günstigere Lösung.